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Konfirmation 2016

Am 24. April fand die diesjährige Konfirmation in der Gemeinde statt. Einziger Konfirmand war Erik Jannusch, der so im Mittelpunkt einer schönen Feier stand. Pfarrer Alexander Schmahl hielt die obligatorische Ansprache zur Konfirmation und gemeinsam wurde „Die Gedanken sind frei“ gesungen. Erik Jannusch sprach zuvor das Gelöbnis und hielt seinen Konfirmationsbeitrag über die Würde des Menschen, der nachfolgend zu lesen ist:

In unserem Gelöbnis heißt es: „Ich will Achtung hegen vor der Würde des Menschen.“

Aber was versteht man unter der Würde des Menschen? Es muss sich um etwas sehr Wichtiges handeln, denn gleich in Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Die Geschichte zeigt, dass es sich hierbei um einen dynamischen Begriff handelt. Und auch heute gibt es je nach Kultur und Religion unterschiedliche Auffassungen zur Menschenwürde. In der Antike musste man sich Würde durch eine tadellose und tugendhafte Lebensführung verdienen. Im Christentum gründet sich die Würde des Menschen darauf, dass man ihn sich als das Ebenbild Gottes vorstellt. Man besitzt Würde, weil man ein „Gotteskind“ ist. Hingegen entwickelte sich in der Renaissance und weiter in der Aufklärung allmählich eine Beschreibung des Begriffs, die bis heute den größten Bestand hat: Die Würde des Menschen folgt aus seiner Freiheit. Er muss die Möglichkeit haben, sich selbst bestimmen zu können, sich frei zu entfalten. Eng damit verbunden sind unsere heutigen Menschenrechte. Die Grenze dieser Selbstbestimmung liegt natürlich dort, wo die Freiheit und die Rechte eines anderen verletzt werden. Doch wie schützen wir die Würde des Menschen, die auch so vielen genommen wird? Diese Frage sollten wir uns in diesen Zeiten öfter stellen, wenn es um die Menschen geht, die wegen Krieg und Hunger ihre Heimat verlassen müssen und zu uns kommen. Probleme bleiben natürlich nicht aus. Aber indem wir diesen Menschen helfen, können wir ihnen Menschenwürde zurückgeben, die nichts mit Nationalität oder Religion zu tun hat.

Einem Unitarier ist Toleranz besonders wichtig. Dies scheint mir mit der Achtung der Menschenwürde untrennbar verbunden zu sein: Man kann einem Menschen nicht zugestehen, sich frei zu entfalten, wenn man dann nicht akzeptiert, dass er Meinungen und Lebensweisen entwickelt, die nicht den eigenen entsprechen. Das macht die Vielfalt unserer Gesellschaft aus. Letztlich bin ich der Meinung, dass man Menschenwürde nicht alleine durch Gesetze schützen kann. Die Achtung der Würde des Menschen beginnt in unseren Köpfen und Herzen!

Als Leitspruch für meine Konfirmation habe ich ein Zitat von Jean-Jacques Rousseau gewählt:

„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.“

Erik Jannusch

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