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Wege in die Zukunft – I  

Was uns unsere Gemeinde geben soll - und wie wir ihr dabei helfen können.  
Claude Monet - Gartenweg in Giverny

Claude Monet - Gartenweg in Giverny

So wie sich jeder einzelne Mensch Fragen nach seiner Existenz und einem guten Leben stellt, er sich erstrebenswerte Ziele setzt und Wünsche formuliert, ist eine Gemeinschaft wie die unsrige mit ebensolchen Fragen konfrontiert, damit sie die richtigen Weichen für die Zukunft stellen kann.

Da die Mitglieder und Gönner der Gemeinde das Fundament unserer Gemeinschaft ausmachen, können Antworten darauf nur im Miteinander gefunden werden. Und dieses Miteinander wird von jedem Einzelnen selbst und dessen Verhältnis zur unitarischen freien Religion und zu unserer Gemeinde bestimmt.

Daher möge sich jeder fragen: Was bedeutet mir meine Gemeinde? Inwiefern erfüllt es mich, Teil dieser Gemeinschaft zu sein? Wie wichtig ist es mir, unitarisch/freireligiös zu sein? Was erhoffe und wünsche ich mir? Ist es vor allem die Gemeinschaft mit anderen, die ich schon lange kennen und schätzen gelernt habe? Sind es die intellektuellen und sinnlichen Anregungen, die ich z.B. im Rahmen kultureller Veranstaltungen in der Gemeinde erfahre? Oder geht es darüber hinaus? Suche ich z.B. nach Stille, nach Besinnlichkeit und nach einem Rahmen für die Auseinandersetzung mit den „existenziellen Fragen“ in meinem eigenen Leben?

Einiges hat sich in unserer Gemeinde in den letzten Jahren verändert und nun ist es an der Zeit, einen weiteren Schritt zu gehen, indem wir uns ganz offen mit diesen Themen beschäftigen: Wie wünschen wir uns als Gemeindemitglieder das Gemeindeleben? Was ist uns wichtig? Was weniger wichtig? Was unterscheidet uns als Unitarierinnen und Unitarier von Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften? Wie stehen wir zu Gruppierungen, die das Wort „Religion“ nicht im Namen tragen? Kurz: Wozu gibt es uns? Wie wollen wir sein? Was müssen wir dafür tun?

In einer Gemeinde wie der unsrigen, die sich auf kein festgefügtes dogmatisches Fundament (z.B. einen Katechismus) berufen kann und will, ist es wichtig, über derartige Fragen im Gespräch zu bleiben. Auch soll es darum gehen, ungenutzte Potenziale zu erkennen: Wie kann die Gemeinde besser als bisher auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder antworten? Und wie können sich die Mitglieder der Gemeinde dabei konstruktiv und stärker als bisher mit ihren eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringen?

Engagement entsteht dort, wo Mitglieder etwas als sinnvoll, bewahrens- und bejahenswert erleben. Wir möchten daher ihren Einfluss auf das, was in unserer Gemeinde geschieht, deutlich erhöhen. So kann aus unserer Gemeinde, so selbstbestimmt und frei jedes einzelne Mitglied ist und bleiben wird, eine noch stärkere Gemeinschaft werden, die von allen gleichermaßen – je nach Fähigkeiten und Möglichkeiten -  mitgetragen wird. Wir haben jetzt die Chance und die Freiheit, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, das unser aller Leben sehr bereichern kann, und laden deshalb alle Mitglieder und Freunde der Gemeinde ganz herzlich dazu ein, die „Wege in die Zukunft“ mitzugehen. Diejenigen Wege, die wir beschreiten, werden von zentraler Bedeutung für die zukünftige Gestaltung der Gemeindearbeit sein, so dass die Wichtigkeit dieser und nachfolgender Veranstaltungen gar nicht genug betont werden kann. Wem die Gemeinde und/oder die Bewegung der Freien Religion am Herzen liegen und der dennoch, aus welchen Gründen auch immer, zögert, möge sich einen Ruck geben. Alle sind wichtig, alle werden gebraucht - von jung bis alt.

Am Sonntag, den 18. September, ab 11.00 Uhr, soll es im Frankfurter Gemeindezentrum einen ganzen Tag lang um die oben angeführten Fragen gehen. Im Rahmen von moderierten Gruppendiskussionen wollen wir herausfinden, wie sich die einzelnen Gemeindemitglieder ihre Gemeinde vorstellen und welche verbindenden Elemente es in diesen Vorstellungen gibt. Natürlich werden bei aller Ernsthaftigkeit in der Sache der Spaß und die Geselligkeit nicht zu kurz kommen und um für das leibliche Wohl der Teilnehmer sorgen zu können, bitten wir um Anmeldung im Gemeindebüro bis zum 12. September. 

3. überregionales Treffen freireligiöser und unitarischer Gemeinden in Offenbach – ein Erfahrungsbericht

Zentral gelegen und mit den passenden Räumlichkeiten aufwartend war die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach ein idealer Ort für das diesjährige Überregionale Treffen freireligiöser und unitarischer Gemeinden (ÜRT) vom 20. bis 22. Mai 2016.

Bei unserer Ankunft am Freitagnachmittag erwartete uns ein sehr gut eingespieltes Team aus den Pfarrern Heinrich Keipp und Pascal Schilling und vielen unermüdlichen Helfern. Wir wurden sehr herzlich begrüßt, mit Infomaterial ausgestattet und den unterschiedlichen Arbeitsgruppen zugewiesen, die wir uns im Vorfeld ausgesucht hatten. Die Eröffnungsfeierstunde fand in der großen Weihehalle in kleinem Kreise statt, weil noch nicht alle Teilnehmer, die aus ganz Deutschland kamen, angereist waren. Die Feierstunde wurde von Pfarrer Pascal Schilling und Pfarrer Martin Buchner (Freireligiöse Gemeinde Idar-Oberstein) abgehalten und mit einigen Klavierstücken musikalisch untermalt. Nach dieser schönen Einstimmung trafen wir uns zum Abendessen in der kleinen Weihehalle. Da sich viele Teilnehmer von unserem Treffen im Vorjahr schon kannten, war es ein freudiges Wiedersehen mit sehr schönen und intensiven Gesprächen.

Auch wenn es an diesem Abend spät wurde, trafen sich einige Teilnehmer schon zum Sonnenaufgang im benachbarten Park, um den neuen Tag zu begrüßen. Weiter ging es um 9.30 Uhr mit dem gemeinsamen Singen. Wie schon im Vorjahr fanden sich viele sangesfreudige Teilnehmer, die mit Inga Brandes (Unitarier – Religionsgemeinschaft freien Glaubens) Lieder für die Abschlussveranstaltung am Sonntag einstudierten.

In dem darauffolgenden Arbeitskreis „Freie und unitarische Religion heute“ wurden allgemeine und konkrete Fragen zur freien Religion, zur Gemeindearbeit und Zukunft der Gemeinden in Kleingruppen diskutiert. Der Fragenkatalog wurde im Vorfeld des Treffens von einigen Teilnehmern selbst erstellt und jeder konnte darüber abstimmen, welche Fragen einer näheren Betrachtung wert sind. Dazu gehörten unter anderem „Welche Art von Ritualen passen zu einer freien Religion?“, „Gemeinschaft von Individualisten – Widerspruch oder Chance?“ und „Welche Art von Zusammenarbeit wird uns helfen, religiöse Freiheit im unitarisch/freireligiösen Sinne zu erhalten?“. Im Anschluss stellten die Gruppen ihre Ergebnisse der großen Runde vor und es zeigte sich wieder einmal, dass die vermeintlichen Unterschiede zwischen den Gemeinden gar nicht so groß sind, wie mancher vorher vielleicht noch geglaubt hatte. In grundsätzlichen Dingen herrschte weitgehend Übereinstimmung und gleichzeitig wurde offenbar, dass wir viel voneinander lernen können. Ein weiterer Austausch dieser Art wäre sehr wünschenswert.  

Der Tag war noch mit weiteren Arbeitskreisen wie der Schreib- oder Bewegungswerkstatt sowie dem „Zusammenkommen der Generationen“ gefüllt. Abgerundet wurde das Angebot an diesem Wochenende durch verschiedene Small Group Ministries (Kleingruppen-Seelsorge), die sich mit den Themen „Was bedeutet mir meine Gemeinde?“ und „Meine Fragen an das Leben“ befassten.

Bei der Abschlussfeierstunde am Sonntag hielt Pfarrer Heinrich Keipp eine Ansprache, bevor drei Mitglieder verschiedener Gemeinden berichteten, wie sie persönlich zur freien Religion gefunden haben. Als sehr berührend empfand ich die Richtsätze des freien Glaubens von Antje W. Glindemann (Frei-religiöse Gemeinde Offenbach), die wie auch die Ansprache von Heinrich Keipp im Anschluss an diesen Beitrag abgedruckt sind.  

Auch wenn bei der Abschlussrunde vereinzelt Kritik zu hören war, dass die Arbeitskreise in diesem Jahr mehr das Herz als den Kopf angesprochen hätten, war es für mich doch eine sehr gelungene Veranstaltung und ein schönes Wochenende. Durch dieses Treffen wurde es möglich, die verschiedenen Gemeinden einander näher zu bringen, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen oder zu vertiefen.

Über das ganze Wochenende hinweg wurde immer wieder ein Aspekt angesprochen, der aus meiner Sicht in der Zukunft existenziell für alle freireligiösen und unitarischen Gemeinden sein wird: Die Vernetzung untereinander. Nur wenn alle Gemeinden für Kooperationen offen sind und sich nicht als Konkurrenten sehen, können Synergien geschaffen werden, die allen Gemeinden, ihren Mitgliedern und der freien Religion zu Gute kommen. So wurde während der Abschlussrunde nochmals der Wille bekräftigt, einen gemeinsamen Terminkalender zu schaffen, sich gegenseitig zu besuchen, Beiträge aus den Gemeindeblättern auszutauschen und selbstverständlich das Überregionale Treffen fortzuführen.

Ich danke allen am Treffen Beteiligten und besonders den Mitarbeitern und Mitgliedern der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach für die sehr gute Organisation. Ich freue mich schon auf das nächste ÜRT, das 2018 stattfindet und uns, wenn alles klappt, nach Idar-Oberstein in die dortige Freireligiöse Gemeinde führen wird.

Ruth Bresler-Radeck

 
© 2016 Unitarische Freie Religionsgemeinde Frankfurt/Main